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pressemitteilungen | | 10:22 Uhr

Inklusiv statt exlusiv: Digital Imagination Challenge ehrt Sieger von Deutschlands erstem inklusiven Pitch-Event

Auf Deutschlands erstem inklusiven Pitch-Event mit Präsentationen in Gebärdensprache und Audioskription haben sich Frazier, BACC und GazeTheWeb als Gewinner durchgesetzt. Am 15. Februar hatten fünf Teams aus ganz Deutschland einer Expertenjury ihre technologiebasierten Lösungen vorgestellt, die es Menschen mit Behinderungen ermöglichen, an der digitalen Medienwelt teilzuhaben. Den sozialen Innovationswettbewerb Digital Imagination Challenge hat Unitymedia gemeinsam mit (…)

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pressemitteilungen | | 12:29 Uhr

Gesucht: Lösungen, die Menschen mit Behinderungen die Teilhabe an der digitalen Welt ermöglichen

Jeder zehnte Mensch in Deutschland hat eine Behinderung. Um aber allen Menschen einen barrierefreien Zugang zur analogen und digitalen Welt zu ermöglichen, müssen auch heute noch viele Hindernisse abgebaut werden. Kinofilme ohne Untertitel, Serien ohne Audiodeskription, TV-Receiver mit komplizierten Fernbedienungen. Das wollen wir ändern: Mit der Digital Imagination Challenge sucht Unitymedia deshalb ab sofort gemeinsam (…)

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23.05.2017|10.05 Uhr

Raus aus der Echokammer! Ein Zwischenruf für eine zeitgemäße Plattformregulierung

Dr. Wolf Osthaus, Senior Vice President Regulatory & Public Policy

Stell Dir vor, Du machst Rundfunk – und keiner schaut hin. Was bis vor kurzem höchstens als mögliches Schicksal sehr abwegiger Spartensender gesehen wurde, ist inzwischen ein reales Risiko für alle Fernsehveranstalter, gerade wenn es um jüngere Zielgruppen geht.

Audiovisuelle Inhalte sind längst ubiquitär, jederzeit, über ganz verschiedene Zugangswege verfügbar, ganz gleich, ob Unterhaltung, News oder Live-Events. Mit der zunehmenden Nutzung non-linearer Inhalte aus den unterschiedlichsten Quellen gibt es für die Nutzer vielfältige Alternativen zum Angebot der klassischen Fernsehveranstalter und auch zu den herkömmlichen Fernseh-„Plattformen“. Das alles bringt mehr Auswahl, mehr Vielfalt und mehr Entscheidungsfreiheit für die Nutzer – und damit mehr Wettbewerbsdruck für Veranstalter und Plattformanbieter.

Für die Plattformen (oder „Benutzeroberflächen“) bedeutet der Wettbewerb, dass man besser als andere Intermediäre dem Nutzer die größte Vielfalt an für ihn relevanten Inhalten und eine bestmögliche Orientierung anbieten muss. Zeiten einer vermeintlichen Gatekeeper-Stellung, aus der heraus man Inhalte ausschließen könnte, die der Kunde sehen möchte, sind längst vorbei.

Auf Seiten der Inhalteanbieter bedeutet der erstarkte Wettbewerb und die Desintegration des linearen Fernsehens zunächst Chancen auch für kleinere, weniger reichweitenstarke Angebote mit spitzen Zielgruppen. Gerade lokale und regionale Angebote können profitieren. Die Plattformen werden ihre Nutzer gerne dorthin leiten, wenn das Angebot den Nutzern relevante Inhalte bietet. Gefahr entsteht so allerdings für die großen, etablierten Veranstalter: Sie sehen sich neuem Wettbewerb ausgesetzt und können weniger auf die Bindungswirkung ihrer linearen Programmangebote hoffen. Aus dieser Sorge entspringt ihr Wunsch, den Nutzer möglichst im eigenen walled garden zu halten. Das birgt allerdings ganz neue Diskriminierungsgefahren für die ebenso vielfaltsrelevanten kleineren Anbieter.

Und dennoch kreist der aktuelle Vorschlag zur Reform der Plattformregulierung allein darum, wie man die Regulierung von Plattformen und Benutzeroberflächen ausweiten und vertiefen kann, um deren vermeintliche Macht zu beschränken. Leider vergisst man darüber, auch die Veranstalter, selbst ja in erster Linie Aggregatoren, für die Vielfaltssicherung in die Pflicht zu nehmen. Stattdessen sollen sie zusätzlich gestärkt werden. So soll – gut versteckt hinter dem harmlosen Begriff der „Signalintegrität“ – von ihrer Entscheidung künftig abhängen, welche Empfehlungen eine Medienplattform ihren Nutzern geben darf. Das wird die Chancen kleinerer, alternativer Angebote gegenüber den großen Mainstream-Sender sicher nicht stärken. Und die geplante „privilegierte Auffindbarkeit“ wird die Chancengleichheit zusätzlich verzerren, indem sie qua regulatorischer Anordnung den Vorsprung der großen Sender und Senderfamilien sichert. Auf diese Weise wird auch die Gestaltung von Startseiten und App-Angeboten dem freien Wettbewerb, in dem sich ein vom Nutzer als tatsächlich wertvoll empfundenes Angebot durchsetzen könnte, entzogen und stattdessen vom Regulierer diktiert. Und wenn tatsächlich der eine oder andere Veranstalter diese neuen Möglichkeiten zu Lasten seiner Wettbewerber oder der verschiedenen Medienplattformen und damit letztlich zu Lasten der Vielfalt einsetzen sollte, sind nicht einmal Beschwerdemöglichkeiten für die Betroffenen und Durchgriffsrechte der Medienaufsicht vorgesehen.

Wir alle teilen das Interesse, unsere freiheitliche Ordnung und zu diesem Zweck auch ein möglichst vielfältiges Medienangebot zu sichern. Doch ist die Frage, ob man dies durch immer engere staatliche Vorgaben und Regulierung erreicht. Glauben wir wirklich, dass die richtige Antwort auf Gefahren für eine freie Gesellschaft mehr Paternalismus anstelle von Nutzerautonomie ist? Immer öfter zeigt sich hier ein Regulierungsreflex – wie auch beim aktuellen Vorschlag eines „Netzwerkdurchsetzungsgesetzes“ zur Bekämpfung von „Fake News“ -, der nicht den Nutzer im Gebrauch seiner Freiheit stärkt und unterstützt, sondern den Handlungsrahmen durch staatliche Kontrolle beschränkt und damit den ohnehin im Raum stehenden Vorwurf der Bevormundung nährt.

Am Ende macht der Nutzer allerdings doch, was er will. Und wenn er bei den herkömmlichen Zugangswegen nicht mehr das Gefühl hat, die für ihn relevanten Inhalte zu erreichen, sondern sich gegängelt fühlt, wird er sich nur noch schneller abwenden und die vielen alternativen Inhalte und Zugangswege nutzen, die regulatorisch nicht erfasst sind, weil sie sich der tatbestandlichen Erfassung oder schlicht dem Geltungsbereich einer deutschen Regulierung entziehen. Man braucht heute kein Fernsehen mehr, um audiovisuelle Inhalte zu bekommen. Und die nächste Medienplattform ist in Zeiten von smarten Geräten und OTT-Angeboten immer nur einen Knopfdruck entfernt. Geschwächt werden so am Ende alle herkömmlichen Beteiligten: die Rundfunkveranstalter ebenso wie die Plattformen, die alle miteinander eigentlich ihren Beitrag für ein wertstiftendes, hochwertiges Medienangebot leisten wollen. Dafür wäre es notwendig, die verschiedenen Beteiligten im deutschen Medien-Ökosystem wieder als Partner auf Augenhöhe zu begreifen, denen die Regulierung zunächst möglichst viel Raum geben sollte, sich im Wettbewerb mit den alternativen Angeboten zu entfalten und so den Nutzer von ihrem Wert zu überzeugen.

Dazu muss die Medienpolitik raus aus ihrer eigenen Echokammer, um offen zu sein für die massiv veränderten Realitäten der Medienwelt. Sie muss den Mut finden, Regulierungsreflexen zu widerstehen. Und sie muss endlich den Nutzer, seine Interessen und seine Wahlfreiheit wieder in den Mittelpunkt stellen. Damit er sich dann – ganz aus freien Stücken – für die Vielfalt der Angebote im deutschen Rundfunkmarkt begeistern kann.

Text: Dr. Wolf Osthaus

Dieser Text wurde zuerst in der promedia 06/2017 veröffentlicht.

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